28.03.2000
DTPA-Magazin stellt Gruppe "ANTIKOMPLEX" vor
(DTPA) PRAG/BEIERFELD: Das neue DTPA-Magazin, das im Programm von lokalen Fernsehsendern entlang der sächsisch-böhmischen Grenze gezeigt wird, stellt eine Gruppe von jungen Tschechen vor. Unter dem Namen "ANTIKOMPLEX - Bewegung gegen Fremdenhass" haben sie in ihrer Heimat für Aufsehen gesorgt. Acht aktive Mitglieder hat ANTIKOMPLEX. Sie befassen sich mit den deutsch-tschechischen Beziehungen in der Vergangenheit. Zwischen Deutschen und Tschechen liegen noch immer Spannungen in der Luft. Es gibt Vorurteile, die noch nicht überwunden sind. Die verhängnisvolle Geschichte der Deutschen und Tschechen vor und nach dem Krieg hat Wunden gerissen, die hier und da noch immer tief sind. Ein großer Brocken unverdauter Geschichte bleibt die Vertreibung der Sudentedeutschen aus Böhmen und Mähren als Folge der grausamen Naziherrschaft. Ein Thema, das in Tschechien ungern und wenig diskutiert wird. Anders die Leute von ANTIKOMPLEX: "Wir haben uns eigentlich alle kennen gelernt, als wir zu verschiedenen tschechischen Symposien oder Aktionstreffen gefahren sind - einzeln. Es kam uns alles immer nur so oberflächlich vor: Fußball, Disco und so. Wir wollten etwas anderes, wir wollten uns mehr mit der Geschichte und den Problemen, die uns interessieren, beschäftigen und es anders machen als die anderen." Das sagt ANTIKOMPLEX-Mitglied Pavel Cizinsky. Matej Spurney ergänzt. "Das Hauptmotiv der Seminare, zu denen wir uns getroffen haben, war meistens das Treffen tschechischer und deutscher Jugendlicher, die alle in die Zukunft sehen wollten. Beschäftigen wir uns nicht mit der Geschichte - schauen wir doch in die Zukunft; und es wird alles gut! Die jungen Leute haben sich natürlich gut verstanden. Aber wir hatten das Gefühl das man so die Hauptprobleme nicht anspricht, sich nicht damit beschäftigt. Themen mit Konflikten wurden einfach nicht angefasst. Im Ergebnis dieser Treffen hatte jeder das Gefühl, es sei doch alles in Ordnung, was aber leider nicht immer der Fall gewesen ist." Nach Meinung der ANTIKOMPLEX-ler liegen die Wurzeln der Probleme in der Vergangenheit. Diese wollen sie aufdecken und den Leuten zeigen. ANTIKOMPLEX geht es um die Reflektion der Tschechischen Gesellschaft, "dass die tschechische Gesellschaft sich wahrhafter wahrnimmt, und das gefälschte Geschichtsbild geändert wird. ... Deswegen fahren wir in die Gymnasien in den Regionen und organisieren Seminare. Wir wollen das innerhalb der 40 Jahre Sozialismus entstandene Geschichtsbild irgendwie ändern." Neben Themen wie "Minderheiten und Ausländerhass im Sozialismus" gehört auch das Thema "Verbrechen und Bedauern" zur Vortragsreihe. Darin geht es um die Frage: Wie geht man mit den Vertreibungen der Deutschen aus Tschechien um?
Die Aufklärungsarbeit, die in den letzten Jahren und Jahrzehnten im Großen ausblieb, versucht "ANTIKOMPLEX" nun im Kleinen voranzutreiben. Die nächsten Termine für Besuche in tschechischen Schulen stehen schon fest.

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