30.06.2004
Kulturraumkonferenz mit Tschechen und Polen
(DTPA/MT) ANNABERG- BUCHHOLZ: „Kulturelle Angebote in der sächsisch-schlesisch-nordböhmischen Grenzregion können die EU-Osterweiterung in den Köpfen der Menschen – trotz aller Sorgen - deutlich vorantreiben“, so fasst Sachsens Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Dr. Matthias Rößler das Ergebnis der 3. Kulturraumkonferenz zusammen, die in Annaberg-Buchholz stattfand. Rößler: „Als einziges deutsches Bundesland grenzt Sachsen gleich an zwei Beitrittsländer. Eine Vielzahl von Theatern, Orchestern, Museen, Bibliotheken, soziokulturellen Zentren aus drei dichten Kulturlandschaften treffen aufeinander. Es gilt nun auszuloten, welche Potenziale Kunst und Kultur für den Annäherungsprozess frei setzen können.“
Neben Staatsminister Flath, dem Vizemarshall der niederschlesischen Woiwodschaft Ryk und Prof. Sokol, dem früheren tschechischen Bildungsminister (derzeit Karls-Universität Prag) sowie Landräten waren auf der Tagung vor allem Vertreter aus Kunst und Kultur, Politik und Wissenschaft aus Polen, Tschechien und Sachsen zu Gast.
Diskutiert wurde, inwiefern mit Mitteln aus dem Sächsischen Kulturraumgesetz (jährlich rd. 76 Mio. Euro vom Freistaat für die 11 sächsischen Kulturräume) kulturelle Angebote gefördert werden können, die einen Beitrag zur Annäherung der Menschen leisten. Ergänzend wurde darauf hingewiesen, dass Sachsen EU-Mittel in Höhe von 1,8 Mio. Euro jährlich zweckgebunden für kulturelle Projekte in den Grenzregionen einsetzen kann.
„Auch wenn der Kulturbereich mit Einführung des Strukturförderprogramms Interreg III A einen höheren Stellenwert erhalten hat, bleibt dennoch festzustellen, dass die Kulturförderung im EU-Haushalt nur einen mikroskopisch kleinen Anteil ausmacht“, kritisierte Minister Rößler.
Es ging bei der Tagung im Eduard-von-Winterstein-Theater Annaberg-Buchholz außerdem um Anforderungen an die Einrichtungen (bspw. bei Kooperationen), um die Kulturhauptstadtbewerbung von Görlitz/Zgorzelec und um die Frage, welche Erwartungen grenzüberschreitend bestehen. Einen wichtigen Erfahrungsbericht konnte dazu Prof. Thomas Thomaschke geben, der als Intendant des „Festival Mitte Europa“ bereits seit 14 Jahren grenzüberschreitend Kulturfestivals organisiert. Dr. Michael Wieler, der Intendant des Theaters Görlitz, sprach über die Vision und die Praxis einer grenzüberschreitenden Theaterarbeit. Die Perspektive eines Museums wurde vom Direktor des Regionalmuseums Komotau (Chomutov) eingebracht.
Minister Rößler: „Ich bin davon überzeugt, dass grenzüberschreitende kulturelle Zusammenarbeit auch dann sinnvoll wäre, wenn es die Europäische Union gar nicht gäbe.

Copyright © 2004 by KabelJournal GmbH Beierfeld. Alle Rechte vorbehalten.
Eine Haftung für die Richtigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden!