08.06.2004
Jugendliche befragen Europapolitiker
(DTPA/MTL) KONSTANZ: Wie wichtig sind die deutsch-tschechischen Beziehungen in der Europäischen Union? Die Mitglieder des Deutsch-Tschechischen Jugendforums haben im Vorfeld der Europawahl die Kandidaten befragt. Die jungen Deutschen und Tschechen haben im Vorfeld der Europawahl 2004 rund 60 tschechische und 100 deutsche Kandidaten angeschrieben. Befragt wurden die Bewerber der deutschen Parteien CDU, CSU, SPD, Bündnis90/Die Grünen, FDP und PDS und der tschechischen Parteien ODS, CSSD, KDU-CSL, KSCM, US und SNK-ED. Über ein Drittel der potentiellen Europaparlamentarier beantwortete die Fragen der Jugendlichen. Die Erstplazierte auf der Liste von Bündnis90/Die Grünen, Rebecca Harms verdeutlichte, dass „die heute schon sehr gute Zusammenarbeit zwischen Deutschen und Tschechen noch weiter ausgebaut werden muss.“ Daniel Caspary (CDU) sprach in seiner Antwort davon, dass „nach dem Aufbau der vertrauensvollen Freundschaft zwischen Deutschland und Frankreich [...] Tschechien ein Beispiel für Aussöhnung und Freundschaft in Richtung Osten sein könne“. Die SPD-Kandidatin Constanze Krehl betonte, dass „eine Vertiefung der Kommunikation auf persönlicher Ebene“ besonders wichtig ist.
Alle tschechischen Bewerber für das Europaparlament verfügen über Erfahrungen mit Deutschland und eine große Mehrheit (über 60%) beherrscht die deutsche Sprache. Im Gegensatz dazu haben die deutschen Kandidaten weitaus geringere Kenntnisse über ihr östliches Nachbarland.
In einer Sache waren sich die deutschen und tschechischen Europawahl-Kandidaten einig: Die Zukunft einer Kooperation auf europäischer Ebene liegt in den Händen der Jugend, so die Antworten von 27% der tschechischen und 20% der deutschen Europawahl-Kandidaten.
Die Antworten auf die Frage, ob sich die junge Generation langfristig als „Europäer“ fühlen wird, fallen hingegen unterschiedlich aus. 40% der tschechischen Kandidaten glauben nicht an die Entstehung einer „europäischen Identität“, wohin gegen keiner der deutschen Bewerber diese Ansicht teilt. Die Mehrheit der befragten Tschechen hat die Übergangsfristen für Arbeitnehmer nach der Erweiterung befürwortet. Sie rechnen aber damit, dass sich die Arbeitsmärkte so früh wie möglich den neuen Mitgliedern öffnen werden.
Die vollständigen Ergebnisse der Umfrage sind unter http://www.jugendforum.ahoj.info zu finden.
Das Deutsch-Tschechische Jugendforum wurde als Projekt des Koordinierungsrates des deutsch- tschechischen Gesprächsforums ins Leben gerufen. Mitglieder des Jugendforums sind jeweils 20 Jugendliche aus Deutschland und Tschechien zwischen 16 und 26 Jahren. Ziel des Jugendforums ist es, die Sicht der jungen Generation in den bilateralen Dialog einzubringen. Bei seiner Arbeit wird das Jugendforum von Tandem, dem Koordinierungszentrum für den deutsch-tschechischen Jugendaustausch und der Brücke-Most-Stiftung begleitet. Finanziert wird das Projekt aus Mitteln des Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds und des Bundesministeriums für Familie, Frauen, Senioren und Jugend.

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