29.03.2004
Tschechien: Deutsche Firmen begrüßen EU-Beitritt
(DTPA/MTL) PRAG: Tschechien wird durch den EU-Beitritt als Investitionsstandort attraktiver. Das geht aus der diesjährigen Frühjahrsumfrage der Deutsch-Tschechischen Industrie- und Handelskammer (DTIHK) unter deutschen Investoren in Tschechien hervor. Mehr als die Hälfte der in Tschechien engagierten deutschen Unternehmen erwartet, dass sich der EU-Beitritt vorteilhaft auf die Rahmenbedingungen auswirkt, nur sechs Prozent sehen die Mitgliedschaft in der Europäischen Union kritisch.
Aus Sicht der Unternehmen stellt der Wegfall der Zollgrenzen zum 1. Mai 2004 die wichtigste Änderung dar. Der Warenverkehr verläuft dann nicht nur kostengünstiger und unbürokratischer, auch die Wartezeiten für LKW an den Grenzen dürften sich deutlich verkürzen.
Mit der gegenwärtigen Geschäftslage sind lediglich vier Prozent der Firmen unzufrieden, knapp zwei Drittel bezeichnen sie als gut. Das ist der zweitbeste Wert seit Beginn der Umfrage vor sechs Jahren. Für 2004 erwarten 71 Prozent der Umfrageteilnehmer höhere Umsätze als im Vorjahr. Davon profitiert auch der Arbeitsmarkt: 32 Prozent der Unternehmen planen, weiteres Personal einzustellen.
Von den 38 Milliarden Euro, die ausländische Firmen seit 1993 in Tschechien investierten, stammt ein Drittel aus Deutschland - mehr als aus jedem anderen Land. Als Standortvorteile nennen die Unternehmen in der aktuellen DTIHK-Umfrage das mit durchschnittlich rund 530 Euro im Monat weiterhin moderate Lohnniveau, leistungsbereite Arbeitnehmer sowie die für osteuropäische Verhältnisse relativ gut ausgebaute Infrastruktur. Zu den Problemfeldern gehören dagegen weiterhin der unzureichende Gläubigerschutz, mangelnde Transparenz bei öffentlichen Ausschreibungen sowie Korruption. In diesen Bereichen kann das Land nur unzureichende Fortschritte verzeichnen. DTIHK-Geschäftsführer Dieter Mankowski mahnt: „Tschechien wird auf Dauer kein Niedriglohnland bleiben. Um bei steigenden Personalkosten wettbewerbsfähig zu bleiben, benötigt der Standort auch eine leistungsfähige, transparente Administration und Justiz“.
Immerhin gibt es eine Reihe von Fortschritten zu verzeichnen. Beispiel Unternehmensbesteuerung: Nach der Ende letzten Jahres verabschiedeten Steuerreform sinkt der Körperschaftssteuersatz bis 2006 schrittweise auf 24 Prozent. Und da mittlerweile die meisten Gesetze an EU-Standards angepasst wurden, hat sich die Rechtssicherheit etwas verbessert, wenngleich die Umsetzung dieser Gesetze durch Verwaltung und Gerichte noch als unbefriedigend gilt. Bei der Frage nach dem günstigsten Standort in der Region reicht es mit 31 Prozent der Nennungen dennoch nur für den zweiten Platz hinter der Slowakei. Die Umfrageteilnehmer senden auch ein klares Signal an die deutsche Politik: Deutschland bietet derzeit nur für drei Prozent das beste unternehmerische Umfeld.

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