15.03.2004
Gesicht zeigen im Zeitzeugendialog
(DTPA/MTL) DRESDEN: Heute vor 65 Jahren wurde die demokratische Tschechoslowakei von Hitlers Wehrmacht endgültig zerschlagen und zum „Protektorat Böhmen und Mähren“ erklärt. Die nationalsozialistische Diktatur bereitete den Zweiten Weltkrieg vor und brauchte immer mehr ausländische Arbeitskräfte. Bis 1945 wurden 13,5 Millionen Fremdarbeiter, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge zur Arbeit für die Deutsche Kriegswirtschaft gezwungen. 640.000 waren Tschechen.
Einige dieser Zeitzeugen berichten seit 2003 an deutschen Schulen von dieser schweren Zeit. Das Projekt der Brücke/Most-Stiftung zur Förderung der deutsch-tschechischen Verständigung und Zusammenarbeit mit dem Partner Tandem – Koordinierungszentrum deutsch-tschechischer Jugendaustausch wird gefördert von der Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ aus dem Fonds „Erinnerung und Zukunft“.
Schüler in ganz Deutschland können eine der letzten Möglichkeiten nutzen, aus erster Hand zu erfahren, wie der Alltag in Hitler-Deutschland für Millionen Zwangsarbeiter aussah. Die tschechischen Augenzeugen erinnern sich an die rassistische Diskriminierung, die Wehrlosigkeit gegenüber Übergriffen der nationalsozialistischen Sicherheitsorgane, an Ausbeutung und Sklavenarbeit, Hunger und Bombenkrieg. In vielen Berichten wird jedoch auch deutlich, dass es durchaus Beispiele dafür gab, wie sich Deutsche ihre Menschlichkeit bewahrten und sich dem Rassenwahn der Nazis entzogen oder mutig entgegenstellten.
Die Berliner Initiative „Gesicht zeigen“ vernetzt zur internationalen Antirassismus-Woche vom 15.-21. 3. 2004 eine Vielzahl von Veranstaltungen und Initiativen an deutschen Schulen. Das Projekt „Ehemalige tschechische Zwangsarbeiter/innen als Zeitzeugen an deutschen Schulen“ steuert dazu Zeitzeugengespräche an Schulen in Plauen, Übigau, Schwanebeck, Glöwen, Ludwigsfelde, Seilershof, Duisburg, Bochum, Dortmund, Greding und Berching bei.
Noch bis Februar 2005 bietet sich Schulen in ganz Deutschland die Gelegenheit, kostenlos an diesem Zeitzeugenprojekt teilzunehmen und von der umfassenden Besuchsorganisation zu profitieren. Zur gründlichen Vor- und Nachbereitung des Zeitzeugen-Dialogs wurden Tausende bislang unerschlossener Quellen analysiert und aufbereitet, um aktuelles Unterrichtsmaterial bereit zu stellen. Historiker, Gedenkstättenpädagogen und andere Fachleute bieten eine Lehrerfortbildung zum Thema „Pädagogik des Erinnerns“ an. Anmeldungen dazu sind noch möglich!
Nächster Termin: 15. bis 18. Juni 2004 im Studienzentrum der Brücke/Most-Stiftung in Dresden. Anmeldungen und weitere Informationen:
Werner Imhof
Projektkoordinator
Brücke/Most-Stiftung
Reinhold-Becker-Straße 5, 01277 Dresden
Tel. 0351 – 43 31 41 12, Fax 43 31 41 33
werner.imhof@bruecke-most-stiftung.de
http://www.zeitzeugen-dialog.de

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