05.11.2003
AG queer nimmt Stellung zu Prostitution
(DTPA/MT) DRESDEN: Mit Blick auf die zunehmende Prostitution von Minderjährigen im deutsch-tschechischen Grenzgebiet hat die AG queer bei der PDS Sachsen die Regierung der Tschechischen Republik und die sächsische Landesregierung zum Handeln aufgefordert. Ein jüngst von Karo und Unicef vorgelegte Bericht weist auf ein seit Jahren bekanntes und zunehmendes Problem hin: Prostitution von Minderjährigen in der Tschechischen Republik. Freier sind demnach zumeist deutsche Touristen.
Bereits seit 1994 gäbe es Erkenntnisse, die dieses Bild stützen. Der 1994 erschienene tschechisch-französische Dokumentarfilm "Not angels but angels" und der Film "Mandragora" beschreiben die Situation jugendlicher Prostituierter in der tschechischen Hauptstadt Prag.
Seit Jahren gibt es die Notwendigkeit zum Handeln. Stattdessen gibt es Dementis und Vorwürfe, die vor dem Hintergrund, dass sich der Sextourismus zu einem durchaus nennenswerten Wirtschaftszweig in der deutsch-tschechischen Grenzregion entwickelt hat, nachvollziehbar erscheinen. Prostitution ist aus Sicht der AG queer bei der PDS Sachsen eine normale Erwerbsarbeit, solange sie selbstbestimmt ausgeübt wird. Das ist bei Minderjährigen nicht der Fall. Auch erwachsene Prostituierte werden häufig durch finanzielle Notlagen und Abhängigkeitsverhältnisse in Prostitution getrieben und gehalten. Ein Phänomen, dass auch aus der Bundesrepublik Deutschland bekannt ist.
Die tschechische Regierung und die sächsische Landesregierung sind gefragt, Prostitution von Kindern und Jugendlichen als Problem wahrzunehmen und entsprechende Maßnahmen zu ergreifen, um diesem zu begegnen. Dabei kommt es nicht auf einen großen Polizeiapparat an, sondern auf einen Ausbau der Jugend- und Beratungsstrukturen. Da wo Opfern von Gewalt und sexueller Gewalt schnell geholfen wird, werden dauerhafte physische und psychische Schädigungen des Opfers vermieden, die Dunkelziffer an Gewalttaten verringert und weiteren Gewalttaten durch eine hohe Aufklärungsrate vorgebeugt. Derzeit existierende Projekte auf deutscher und tschechischer Seite müssen zu diesem Zweck unbedingt Bestand haben, ausgebaut werden und durch eine bessere Vernetzung größere Wirksamkeit entfalten.
Die sächsische Landesregierung wird von der AG queer außerdem aufgefordert, sich für eine liberale Asylpolitik einzusetzen, die es MigrantInnen ermöglicht, in der Bundesrepublik Deutschland zu leben und zu arbeiten.

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