12.03.2000
Jan Hornik zu Fragen der Grenzregionen
(DTPA) BOZI DAR: Die EUREGIO EGRENSIS hat drei Arbeitsgemeinschaften, eine in Bayern, eine in Sachsen und eine in Böhmen. Präsident der Arbeitsgemeinschaft Böhmen ist Jan Hornik. Mit Jan Hornik, auch Bürgermeister im Grenzort Bozi Dar, sprach DTPA-Mitarbeiter Mario Totzauer.

DTPA: Wenn sie die Arbeit der EUREGIO EGRENSIS während der vergangenen Jahre sehen, was hat sich auf tschechischer Seite verändert?
Jan Hornik: Zuerst hat die Mitarbeit in der Euroregion bei uns etwas gehinkt. In den letzten zwei Jahren ist es im tschechischen Teil der EUREGIO EGRENSIS aber sehr steil aufwärts gegangen. Das wurde möglich, weil uns die bayrische Seite und die sächsische Seite der EUREGIO EGRENSIS geholfen haben. Wir können jetzt in Tschechien auf eine bessere, professionellere Basis zurückgreifen. Wir haben mehr Mitglieder und zwei neue Büros in Cheb (Eger) und Karlovy Vary (Karlsbad). Wir sind heute schon fähig, in unserem Raum, dem tschechischen Raum der Euroregion, viele Projekte in Zusammenarbeit mit den deutschen Partnern zu fördern. In den letzten Jahren ist viel passiert. Unsere Arbeit ist auf einem ganz anderen Niveau als noch vor fünf bis sechs Jahren.

DTPA: Die EUREGIO EGRENSIS ist eine Euroregion an der EU-Außengrenze. Welche Rolle spielen solche Regionen gegenwärtig?
Jan Hornik: Ich denke, sie spielen eine wichtige Rolle, denn wenn etwas passiert, dann passiert es an der Grenze. Das macht sich schon heute bemerkbar. Wenn wir auf die Europäische Union nicht vorbereitet sind, wenn wir von Brüssel in Richtung Prag überrollt werden, dann gibt es später vielleicht viel Ärger. Meiner Meinung nach müssen wir die Euroregionen dazu bringen, dass die Zusammenarbeit massiver wird, dass sich die Leute treffen, dass die Sachsen und Bayern mit den Tschechen zusammenarbeiten, auch bei kleinen Projekten auf Schul- oder Vereinsebene. Das ist der einzige Weg, auf dem wir uns näherkommen können. Und nur so sind wir auf den großen Augenblick, den EU-Beitritt, wenn er kommt, vorbereitet.

DTPA: Apropos EU-Beitritt, sie sind auch Bürgermeister in Bozi Dar. Wie sehen sie den derzeitigen Stand der Vorbereitungen für den EU-Beitritt?
Jan Hornik: Ich bin nicht so optimistisch wie unsere Regierung, die von einem EU-Beitritt im Jahr 2004 ausgeht. Ich bin da pessimistischer. Wenn der EU-Beitritt erst 2010 erfolgt, dann ist es auch gut. Als ich allerdings mit meinen Kollegen von der Euroregion in Brüssel gewesen bin, sprach EU-Kommissar Verheugen davon, dass der Beitritt schon 2004 erfolgen könnte. Wir hoffen darauf, doch wenn es erst 2007 wird, so ist das auch nicht verkehrt.

DTPA: Schätzt man in Tschechien alle Fragen, die den EU-Beitritt betreffen, richtig ein?
Jan Hornik: Das denke ich, ist nicht der Fall. Wir müssen uns, gerade in den Grenzregionen, noch intensiver vorbereiten. Das betrifft verschiedene Punkte, zum Beispiel den Arbeitsmarkt. Wir müssen, ich kann mich da nur wiederholen, aufpassen, dass wir nicht von Brüssel überrollt werden.
DTPA: Herr Hornik, vielen dank für das Gespräch.

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